Ein neues Jahr beginnt und ein altes Bastelprojekt geht zu Ende.

Mitte letzten Jahres kam die Idee auf, doch mal eine Tauchlampe selbst zu bauen. Bislang noch ohne Erfahrung in dieser Thematik begannen wir uns einzuarbeiten.

Es gibt zu dem Thema spannende Foren, z.B. das www.candlepowerforums.com, das sich allgemein mit der Thematik des (Taschen-) Lampenbaus beschäftigt, wie auch die deutsche Facebook Gruppe "Tauchlampenbau".

Um zu Beginn erst einmal etwas Erfahrung zu sammeln beschlossen wir es mit einer Video-Lampe zu versuchen. Hier sind die Anforderungen an Fokusierung und Reflektor geringer: Ich brauche keinen klar definierten Spot mit einem Abstrahlwinkel kleiner 8-10°, wie ich es mir von einer guten Hauptlampe wünsche. Statt dessen benötige ich sehr viel Lichtleistung und eine möglichst homogene Verteilung. Die Herausforderung bei der Videolampe liegt darin die entstehende Hitze möglichst effizient abzuführen.

Auch sollte das "Roh-Material" nicht besonders teuer werden, denn wir wollen nur spielen und nicht die nächste Unterwasser Doku auf arte drehen.

Also suchten wir uns unser Material aus diversen Quellen zusammen. Eine Tauchlampe besteht im wesentlichen aus folgenden Bestandteilen:

  • Gehäuse
  • LED
  • Konstandstromquelle (KSQ), manchmal auch (mit weiteren Funktionen) Treiber genannt
  • Kabel

Und weiteren optionalen Teilen:

  • Reflektor (nicht für Videolampe)
  • Dimmer (brauchen wir nicht)
  • Schalter (wird bei uns über den Akkutank geschaltet)
  • Griff, bzw. Goodman Handle (bauen wir vielleicht später)

 

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Test der LED

Aufbau

Basis bildet ein altes Hartenberger Lampengehäuse dessen Inhalt schon vor langem das zeitliche segnete. Ursprünglich planten wir uns einen kompletten Lampenkopf selbst zu drehen, allerdings mangelte es uns an entsprechenden Fertigkeiten in spanender Formgebung (wir arbeiten daran) um hier gut voran zu kommen. 

Wir entkernten also die Lampe komplett und nutzen nun nur noch das Gehäuse selbst und das Frontglas, sowie dessen Abdichtung. Den hinteren Teil von Hartenberger entfernten wir komplett und drehten einen eigenen Rück-Deckel mit einer M16 Kabeldurchführung und einem radial dichtenden O-Ring. Eigentlich hätten wir das Gehäuse auch noch etwas kürzen können, momentan hat es einen sehr großen Hohlraum. Aber diesen können wir vielleicht später noch für weitere Basteleien und Versuche nutzen. Also beschlossen wir das Gehäuse in seiner Original-Länge zu belassen.

Neben die Kabeldurchführung passte vom Platz her noch perfekt die LED Treiber Elektronik. Bei diesem haben wir nicht gespart. Zuerst wollten wir einen chinesischen No-Name Treiber nehmen. Nach dem Auspacken stellte sich allerdings heraus, dass dieser nicht nur sehr groß ist, sondern dass es sich zudem auch nicht um eine Konstantstromquelle sondern um einen regulären Spannungswandler handelt. Aus der Produktbeschreibung  "150W DC 10-32V DC 12-35V einstellbar Schritt oben Steigern Leistung liefern" hätte man das eventuell herauslesen können. Aber zum Zeitpunkt der Bestellung war ich noch nicht so weit in die Thematik eingestiegen um zu erkennen dass es sich wohl nicht um eine KSQ handelt. Also bestellten wir nachträglich bei pcb-components.de einen mächtig potenten Treiber. Dieser hat neben seiner sehr kompakten Bauform auch noch einige sehr schöne weitere Features, wie die Möglichkeit zum Dimmen, Softstart, Temperatursensor, etc.

 

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Der neue Deckel mit LED Treiber

Um kompatibel mit unseren bisherigen Akkutanks zu bleiben statteten wir die Lampe mit einem E/O Coord Kabel aus. E/O Coord Kabel sind so ein Thema für sich: Diese Kabel sind unglaublich teuer und dafür von unglaublich schlechter Qualität. Tatsächlich ist das Kabel das teuerste Bauteil der ganzen Lampe. Die Isolierung ist sehr empfindlich und ist bereits beim Einbau durch das Reiben an der Treiber-Platine beschädigt worden... Wir haben im Team schon öfters überlegt auf ein alternatives System umzusteigen, allerdings hat sich E/O einfach so sehr als Standard etabliert, dass wir es bisher noch nicht geschaft haben.

Bei der LED selbst haben wir gespart. Ein günstiges No-Name Produkt für 4 Euro auf Amazon, dazu ein billiger Plastikreflektor. Als LED Träger drehten wir eine ca. 10mm dicke Alu-Platte und versahen sie mit M3 Gewinden und einer Durchgangsbohrung für die Kabel. Diese Platte wurde dann in das erhitzte Gehäuse mit der Hydraulikpresse eingepresst. Durch das massive Aluminium und die Verpressung mit dem Außengehäuse erwarten wir keine Hitzeprobleme unter Wasser. An der Oberfläche sollte die Lampe allerdings nicht zu lange eingeschaltet bleiben. Besser wäre natürlich das Gehäuse mit LED Aufnahme aus dem Vollen zu drehen... vielleicht für das nächste Modell.

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Eine günstiger No-Name 50W LED sollte für unsere ersten Versuche reichen. 

Die LED fest geschaubt und verkabelt und schon war das Ganze einsatzbereit.

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Hurra, sie leuchtet!

Einsatz

Am letzten Wochenende hatten wir sie dann im Wasser. Leider waren die Bedingungen in unserem Haussee nicht die Besten. Die Sicht war sehr durchwachsen und auch Motive waren rar gesät.

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Viele Schwebeteilchen...

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...und kaum Motive beim ersten Testtauchgang

Nach 30 Minuten ging die Lampe dann einfach aus... Warum gilt es noch zu analysieren, eventuell noch ein Wackelkontakt, vielleicht ein Temperaturproblem. Wenig später ließ sie sich wieder problemlos einschalten. Die Dichtigkeit hingegen war kein Problem, allerdings waren wir auch "nur" auf 48m Tiefe.

Kosten

Spannend sind natürlich die Kosten. Geplant war es, mit einem möglichst geringen Budget auszukommen. Letztlich hat die Entscheidung einen qualitativ hochwertigen LED Treiber und ein qualitativ zwar nicht besonders hochwertiges, dafür aber sehr teures Kabel zu nehmen den Preis ganz schön nach oben getrieben. Ohne diese beiden Extras wäre der Preis wohl unter 70 Euro geblieben.

  • Lampengehäuse (gebrauchte, defekte Lampe, ca. Angabe): 30 Euro
  • No Name LED 50W: 4 Euro
  • KSQ: 35 Euro
  • E/O Kabel: 60 Euro
  • Kabeldurchführung: 13 Euro
  • Alu für Deckel und LED Träger: 6-7 Euro
  • O-Ring: Ein paar Cent

Gesamtkosten: Etwa 150 Euro

Potential

Sinn der Aktion war es, sich in die Materie des Lampenbaus einzuarbeiten und erste Erfahrungen zu sammeln. Die Lampe ist alles andere als perfekt, aber es hat viel Spaß gemacht sie zu bauen und ich denke sie wird uns sicher noch den ein oder anderen Tauchgang begleiten.

Die nächste Lampe ist schon in Aussicht. Diese wird sicher höherwertige LEDs beinhalten und auch ein paar mehr technische Gimmicks, wie zum Beispiel einen Dimmer. Auch ein selbst gedrehtes und auf die Anforderungen optimiertes Gehäuse wäre sehr schön.

Schauen wir mal, was unsere Bastelwerkstatt künftig für uns bereit hält!


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