Am 14.02. war es wieder so weit, wir fuhren abermals an den Bodensee. Wir verlängerten das Wochenende um den Faschingsmontag und führten drei sehr schöne Tauchgänge durch.

 

Vorwort

Ein kleines nachträgliches Vorwort: Bei diesem Tauchgang gab es ein paar kleine Unstimmigkeiten und Fehler. Nachdem ich auf Facebook den Artikel verlinkt hatte wurden mir einige Verbesserungsvorschläge gemacht. Da ich dieses Feedback als sehr wichtig erachte, will ich es nicht der Öffentlichkeit vorenthalten und habe einen weiteren Artikel mit dem Titel "Verbesserung als kontinuierlicher Prozess" geschrieben. Viel Spaß beim Lesen!

Vorbereitung

Die Woche vorher füllten wir noch alle Flaschen mit den benötigten Gasen. Vielen Dank hier nochmal an Hans vom TSV Malsch für die geduldige Unterstützung. Es brauchte immerhin gut 5 Stunden bis wir alle 30 Flaschen entsprechend gefüllt hatten.

 

Anhänger voll Flaschen
Der Anhänger ist voll, die Speicherflaschen im Club sind leer... 

Ein kleiner Fauxpas ist uns beim Füllen dann doch noch passiert: Da die Detailplanung für den 2. Tauchgang erst am Tauchtag erfolgte hatten wir ein etwas ungeschicktes Dekogas dabei, wofür wir mit einem schönen Tiefenrausch belohnt wurden. Doch mehr dazu später...

 

Erster Tauchgang an den Tennisplätzen

Am Samstag, Tag der Anreise, haben wir es erst einmal etwas entspannter angehen lassen. Da wir morgens noch den Anhänger beladen mussten und mit Tempo 100 die Fahrt auch ihre Zeit brauchte beschlossen wir auf dem Weg zum Hotel bei den Tennisplätzen zu stoppen. Dort trafen wir Sven und Kevin, die wir bereits von anderen Gelegenheiten kannten. Sie informierten uns, dass die Sicht heute besonders gut sei. Und tatsächlich war das ganze Wochenende an allen Tauchplätzen ausgezeichnete Sicht, teilweise 15m bis 20m.

Der erste Tauchgang sollte uns auf 66m führen. Eigentlich wollte ich nur kurz auf 60m, aber Zottel meinte bei der Planung unbedacht, dass 66 doch eine viel schönere Zahl sei. Nun gut, damit rannte er bei mir offene Türen ein und unter Inkaufnahme eines Augenrollens von Tibor planten wir kurzerhand um. Es sollte also für 8 Minuten auf 66m und dann für weitere 12 Minuten auf 50m gehen. Da unsere bestellte, neue Sauerstoffstage noch nicht geliefert wurde, beschlossen wir unsere eine 40 cuft O2 für Notfälle in die Leash zu nehmen und die Deko nur mit Nx50 durchzuführen.

Da wir in der Regel ein Gradientenfaktor von 50/75 tauchen wollten wir auch diesmal nicht davon abweichen und somit ergaben sich gemütliche 58 Minuten Deko ab 21m. Genau richtig um eine 80 cuft Stage zu leeren.

 

Tennisplaetze

Vorbereitungen am Tauchplatz "Tennisplätze"

Geplant, getan. Der Tauchgang lief einwandfrei und wir genossen den Flug über die Halde, die immer mal wieder von kleinen Wänden unterbrochen wurde. Kurz vor Ende passierte denn doch noch ein kleines Malheur: Der Regler an meiner Bottomstage (ca. 30bar Restdruck) wurde undicht und eine dünne Blasenschnur in Richtung Oberfläche machte sich bemerkbar. Die Blasen kamen aus der zweiten Stufe zwischen Mitteldruckanschluss und Wärmetauscher. Zuerst versuchte ich den Schlauch fester anzuziehen. Dazu hatte ich ja extra den V4tec Werkzeugsschlüssel in der Tasche. Dachte ich zumindest, denn der Apeks-Schlauch benötigte eine imperiale Gabelschlüsselgröße und das extra mitgenommene Werkzeug passte nicht. Aber Zottel hatte noch einen Rollgabelschlüssel dabei. Aber auch das Festziehen brachte nur wenig Besserung.

 

ORingSchaden

Na, wer hat da beim Zusammenbau gepfuscht? 

 

Wie sich später herausstellte war der O-Ring zwei mal gerissen. Wahrscheinlich wurde er beim letzten Aufschrauben aus der Nut gedrückt und dabei abgeschert. Um ein Eindringen des Wassers zu verhindern band ich die Stage an die Boje und ließ sie an die Oberfläche steigen. Das klappte nicht so wirklich, so dass ich zu Beginn des 3m Dekostopps kurz auftauchte um die Flasche letztendlich zu zudrehen. Allerdings lief glücklicherweise auch so kaum Wasser in die Stufe nachdem das Gas abgedreht war, so dass der Regler nicht revisioniert werden musste.

Tauchgang Tennisplätze Februar
Planung vs. Durchführung am Tauchplatz "Tennisplätze"

 

Nach 94 Minuten erreichten wir die Oberfläche und machten uns auf zum Hotel Grüner Baum in Stetten. Die Unterkunft war sehr gemütlich und preislich angemessen. Das Essen fand allerdings nicht so großen Anklang im Team. Aber das Gastwirtspaar war sehr nett und wir fühlten uns wohl.

 

Zweiter Tauchgang an einem alten Bootswrack

Ausgeschlafen ging es am nächsten Morgen zur Planung des eigentlichen Grunds unseres Kommens: Das Wrack einer kleineren Jacht, an der wir im letzten Jahr zwei mal direkt vorbei tauchten, war unser Begehr. Hier dauerte die Planung etwas länger, da das Wrack vor der Promenade von Meersburg liegt und vom Tauchplatz „Wilder Mann“ erst einmal angetaucht werden muss.

Am Vorabend haben wir noch die leere Nx50 Stage wieder getoppt. Auch diesmal waren wir wieder bei der Füllstation Bodensee, die ja seit einiger Zeit nur noch Pressluft füllt. Laut information des Betreibers will er in nächster Zeit das wieder ändern und sein Angebot erweitern. Wir sind gespannt.

Da es aktuell in weitem Umkreis um Überlingen allerdings kein Mischgas gibt, haben wir in einer Speicherflasche Sauerstoff mitgenommen um uns ein Nx32 zu mischen. Dieses sollte uns als Travelgas dienen um bis zum Punkt zu tauchen an dem der eigentliche Abstieg auf Zieltiefe beginnt. Leider ist uns erst zu spät eingefallen, dass das Nx32 ja auch ein super Dekogas wäre, wenn es noch ein wenig Helium Anteil hätte. Besser geplant hätten wir in die Speicherflasche ein Sauerstoff-Helium Gemisch vorbereitet um dieses zu einem 35|25 (ab 36m) zu mischen. Nun ja, nun standen wir also vor der Wahl einen kleinen Tiefenrausch während der Deko in Kauf zu nehmen oder aber erst ab 21m effektiv zu dekomprimieren.

Wir entschieden uns für den Tiefenrausch. Erstens dauerte es einen Moment bis er nach dem Gaswechsel einsetzt und zweitens wollten wir zwischen 40m und 30m ja nur insgesamt 6 Minuten verweilen.

Der Plan sah also nun wie folgt aus: Abtauchen mit Nx32 und ca. 15 Minuten am Ufer entlang bis zu den 3 Tassen auf 13m. Hier die Halde hinab und auf 30m ein Wechsel auf das 18|45 Tiefengas in der Bottom Stage. Auf 63m angekommen das Wrack besuchen und 12 Minuten die Tiefe genießen. Danach wollten wir noch das weitere Umfeld untersuchen und dabei auf max. 70m Tiefe gehen (2min).

Darauf hin ein Freiwasseraufstieg mit 10m/min bis auf 40m Tiefe. Es folgt ein Dekogaswechsel auf Nx32. Ausnutzung des Sauerstofffensters für 3 Minuten und dann mit 3m/min weiter auf 24m Tiefe. Hier für 4 Minuten stoppen und alles aufräumen (Bottom Stage nach hinten, Nx50 und Sauerstoff aus der Leash nach vorne). Dann auf 21m einen weiteren Gaswechsel auf Nx50, abermals 3 Minuten Sauerstofffenster und dann weiter bis auf 12m, wo der erste offizielle Bühlmann Stopp war. Durch die Gaswechsel auf moderater Tiefe war die Dekoverplichtung schon etwas zurückgegangen. Außerdem hatten wir so das mitgenommene Gas optimal genutzt und hätten im Notfall noch entsprechende Reserven gehabt. Die verbleibende Deko von 46 Minuten erfolgte dann mit Nx50 und Sauerstoff.

 

Aufwaermen

Tibor macht sich bei Temperaturen im einstelligen Bereich schon mal warm

 

Auch diesmal erfolgte die Durchführung fast genau nach Planung. Bei Abstieg hatte Zottel ein wenig Probleme mit dem Druckausgleich, weshalb wir die geplanten 7 Minuten für den Abstieg auch benötigten. Theoretisch hätte man aber auch etwas schneller abtauchen können. Auf 63m trafen wir dann auch sofort auf das Vorschiff des Wracks. Ich hatte durch Beschreibungen schon ein recht genaues Bild was uns erwartet. Allerdings hatte ich den Eindruck dass Tibor etwas enttäuscht war. Das Boot war ein sehr extravagantes Schiff, aber letztlich auch nur eine kleine Yacht. Nach 8 Minuten war Tibor der Meinung, es gäbe nichts mehr zu sehen und forderte uns auf, noch eine kleine Runde zu drehen.

So tauchten wir schon etwas früher in Richtung Seemitte. Dort gab es zwar nicht wirklich etwas sehenswertes, aber wir genossen die mit kleinen Hügeln übersäte Ebene die nach Süden nur mäßig abfällt. Nach knapp 1 Minute erreichten wir 71m Tiefe. Damit war das unser bisher tiefster Tauchgang!

Dann wurde es auch schon wieder Zeit für die Rückkehr. Da wir durch den kurzen Aufenthalt bei dem Wrack noch etwas vor der Runtime waren machten wir uns zurück auf den Weg in Richtung Ufer. Als wir etwa die 60m Marke erreichten war unsere Grundzeit abgelaufen. Dummerweise war auch exakt in diesem Moment die Bottom Stage von Tibor leer, so dass wir mit dem Gaswechsel etwa 30 Sekunden verspätet auftauchten. Solch eine kleine Abweichung war aber alles andere als kritisch. Also ging es durch das absolut finstere Wasser nach oben, bis wir auf genau 40m wieder abstoppten.

Freiwasserstopps ohne Licht sind immer etwas heikel. Wir haben am Wochenende zuvor extra genau diese Situation geübt: Aufstieg von 30m auf 18m im dunklen Wasser mit einem Gaswechsel alle 3m. Keine besonders schöne Übung, aber sie hat sich bezahlt gemacht. Auf 40m haben wir die Tiefe auch ohne optische Referenz gut gehalten und sind auf unser Nx32 umgestiegen. Generell waren alle Gaswechsel zwar immer noch etwas hektisch – aber in der Ausführung ok. Immernoch geht es beim Gaswechsel um plus/minus 1-2m hoch und herunter. Da gibt es noch Verbesserungspotential. Für das nächste mal werden wir vielleicht doch etwas mehr Zeit einplanen, so dass man sich vorher erst einmal ein- oder zwei Minuten sammeln und austarrieren kann bevor es weiter geht.

Nun spürten wir auf 40m im Freiwasser tatsächlich ein wenig den Tiefenrausch. Allerdings war er nicht so tragisch, dass wir nicht mehr in der Lage gewesen wären zu navigieren. Also ging es auf Kompasskurs 030° und unter Einhaltung der richtigen Aufstiegsgeschwindigkeit zurück zum Ufer. Als wir auf etwa 30m ankamen, war auch das Ufer schon wieder in Sicht. Der weitere Tauchgang verlief planungsgemäß bis kurz vom Ausstieg. Es war wieder der klassische Anfängerfehler: Wie sah nochmal genau der Ausstieg aus? Die Deko war schon längst vorbei, also tauchten wir erst einmal weit vor dem Ausstieg und dann weit hinter dem Ausstieg auf... Naja, das gab noch ein paar Minuten entspanntes Entsättigen mehr, also galt es nicht zu jammern. :-)

 

Tauchgang Wilder Mann Feb
Planung und Durchführung am Tauchgang "Wilder Mann" - Es gibt immer noch Übungsbedarf bei den Gaswechseln...

 

Als kleine Manöverkritik sei angemerkt dass wir bei diesem Tauchgang mit einer END von 35m auf Grund und sogar 40m auf Deko über dem von uns selbst gesetzten Grenzwert von 30m waren! Tatsächlich soll das nicht zum Dauerzustand werden, deshalb der Vorsatz künftig wieder etwas konservativer mit besseren Gasen zu tauchen.

Entspanntes Entsättigen am Wilden Mann

Ein deftiges Nachmittagsessen in den "Meersburger Winzerstuben" später ging es dann wieder zum Füllen. Wir hatten noch genug Sauerstoff um uns drei Stages mit Nx32 zu füllen. Weiterhin füllten wir drei leere Stages mit Pressluft. Am Montag sollte dann nur noch ein kleiner Tauchgang erfolgen. Auch diesmal wieder in Meersburg am Wilden Mann, allerdings diesmal nicht ganz so tief. Vorweg trafen wir noch unseren ehemaligen Sensei Frank, der uns vor 2 Jahren in die Welt des Technischen Tauchens eingeführt hatte. Er war mit seiner Freundin zum Wellnesswochenende da und sie gingen nach einem kurzen Hallo weiter Meersburg besichtigen. Wir tauchten zeitgleich mit Pressluft zu der kleinen Steilwand auf 30m und dann zu den Autowracks auf 20-25m. Zurück dann mit rund 20 Minuten Dekoverpflichtung auf dem Nx32. Auch das war ein schöner Tauchgang.

Nun galt es nur noch den Anhänger wieder zu beladen und uns entspannt auf den Heimweg zu machen. Endlich war es uns gelungen das Schiffswrack zu besichtigen und einen weiteren Punkt auf unserer Zu-Erledigen Liste abzustreichen.

Ade Bodensee, bis zum nächsten mal!   


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