Nachdem die Scooter im Sommer 2014 angeschafft waren, schlossen Tibor und ich einen Pakt: Wir legen jeden Monat 200-250 Euro beiseite und wenn genug zusammen gekommen ist legen wir uns einen Closed Circuit Rebreather zu. Mit ein paar Sondersparraten war es dann im Mai 2017 soweit.

Grundsätzliches

In den drei Jahren war genug Zeit sich über allerhand Dinge diesbezüglich Gedanken zu machen.

Steht man vor einem CCR Kauf, so gibt es eine Menge Aspekte zu beachten. Zum einen natürlich die Frage wofür das Gerät überhaupt zum Einsatz kommen soll und was es dafür braucht. Fest stand natürlich schnell, dass es nicht bei 30m oder 40m Einsatztiefe bleiben soll. Das Gerät muss eine Zulassung für 100m vorweisen.

Auch sind wir nun nicht die extremen Höhlentaucher und werden es vermutlich auch nie. Dass das Gerät es abkönnen muss durch lehmig und steinige Trockenstellen geschliffen zu werden steht also nicht unbedingt zur Debatte.

Dafür soll eine elektronische Regelung (also ein eCCR) vorhanden sein. Der optimale Setpoint sollte exakt geregelt werden und uns so die gesündeste Option zum Austauchen bieten. Den Nachteil fehleranfälliger Software sehe ich heute nicht mehr als signifikant an, die Geräte sind inzwischen erprobt und weit verbreitet.

Auch sollte es einigermaßen handlich sein. Die passive Semi Closed Rebreather sind sehr unhandlich und werden nur für sehr spezielle Tauchgänge gebraucht. Diese Geräte sind sehr spannend und interessant gerade für größere Höhlenexpeditionen ohne Trockenstellen. Aber auch mit den größten Ambitionen… diese Art Tauchgänge sind eher nicht unsere Kragenweite.

Ansonsten gibt es natürlich noch spannende Nischen. Zu gerne würde ich beispielsweise auch einen reinen Sauerstoff-Rebreather mein Eigen nennen, aber diese Tauchgänge wären dann auch eher selten. Ziel sollte schon sein, ein D12 zu verkaufen und dafür fast alle Tauchgänge mit dem neuen Gerät zu bestreiten.

Dazu gab es noch ein paar weitere praktische Einschränkungen, wie z.B. das Ersatzteile nicht extra aus Amerika eingeführt werden müssen.

Die Auswahl

Das schränkte die Auswahl dann schon ganz schön ein. Es bleiben in alphabetischer Reihenfolge der JJ-CCR, der Liberty, ein Revo oder ein SF2 Rebreather. Den Revo haben wir bereits mehrmals live gesehen und er hat uns nicht besonders gut gefallen. Sehr eckig und unhandlich die Kiste. Der SF2 war lange heißer Kandidat. Die Gegenlunge warm und geschützt in der Röhre, sehr flexibel im Einsatz, z.B. auch als Sidemount. Aber die Karbonröhre gefiel uns nicht. Auch hat uns die Position der Gegenlunge nicht überzeugt. Ein wenig ernüchternd fand ich die Aussage auf der Boot dass der SF2 „ein perfektes Gerät sei und eine Weiterentwicklung unnötig.“ Ganz anders die Jungs von Liberty, die an ihrem Gerät permanent basteln und verschiedene Scrubbergrößen, Lungen, etc entwickeln. Ich als alter Technik-Nerd fand den Liberty natürlich faszinierend. Tibor konnte ich aber nicht überzeugen, seiner Meinung sei das Gerät zu verspielt und noch zu wenig erprobt. Letztlich landeten wir bei einem JJ-CCR. Wobei die Entscheidung letztendlich - soviel muss man zugeben - auch eine Sache des Bauchgefühls war.

Der JJ-CCR überzeugt durch den simplen und robusten Aufbau und die einfache Bedienung. Alles ist sauber und klar verlegt und funktional. Bereits letztes Jahr konnten wir bei Joszef den JJ-CCR Probe tauchen und beschlossen so, den Kurs auch bei Joszef in der Kőbánya zu machen. Es sollte Anfang Mai 2017 also wieder nach Ungarn gehen!

Es geht los!

Und so fanden wir uns wieder in der Kőbánya unterhalb von Budapest ein. Netterweise ersparte uns Joszef den vorgeschriebenen Pool-Tauchgang und es ging stattdessen direkt in die Mine. Er kannte uns ja bereits vom letzten Jahr und weiß dass dunkel und kalt uns Freude bereitet (wobei die Kőbánya mit 12 Grad ja nun nicht unbedingt kalt ist).

Zuvor hörten wir von anderen Rebreather-Tauchern Horrorgeschichten, dass man mit dem CCR quasi von vorne anfinge und erst mal das Tarieren von Grund auf neu lernen müsse. Im Nachhinein kann ich sagen: Alles Blödsinn. Wer vorher schon gut tarieren konnte, hat auch mit einem Rebreather keine größeren Probleme. Sicher, die Anzahl der Grundberührungen mit den Flossen hat kurz nach dem Kurs etwas zugenommen, aber das gibt sich sicher demnächst wieder.

Natürlich ist das Gerät erst mal neu: Es dauert ein paar Tauchgänge bis man alle D-Ringe richtig verschoben (bzw. entfernt) hat so dass alles stimmt. Und man braucht eine Weile bis man sich an die Gegenlunge als dritten Auftriebskörper neben Trocki und Wing gewöhnt hat. Ich erwische mich immer noch bei dem erfolglosen Versuch mit der Lunge feinzutarieren. 

Aber alles in allem habe ich mich nach ein paar Minuten im Gerät richtig wohl gefühlt. Auch die Übungen haben uns vor keine größere Herausforderung gestellt.

Erst gegen Ende wurde es spannender, als wir um eine Erhöhung des Schwierigkeitsgrades baten. Lustig wurde es, als wir am Ende eines Stollens mit manuell gesteuertem ppO2 fleißig Stages untereinander tauschten und dann plötzlich mit einer dritten Flasche, die unser Tauchlehrer in die Runde warf, jonglierten. Tatsächlich habe ich den ppO2 für mehrere Minuten vernachlässigt, was natürlich gleich einen mahnend erhobenen Zeigefinger zur Folge hatte.

Das war sehr spannend! Aber sonst kam man während der Ausbildung kaum ins Schwitzen. Aber ok, war ja auch der Anfängerkurs, wir freuen uns schon auf den Normoxic.

Umbauten

Der JJ-CCR ist gebaut um den Anforderungen der CE zu genügen. Also hat er genug Potential zur Optimierung. Schon während des Kurses sind ein paar Teile „verloren“ gegangen, wie beispielsweise der ein oder andere D-Ring. Auch haben wir die Übung „Flow-Stop schließen“ nicht üben können, da dieser auch plötzlich nicht mehr da war… Unsere JJ-CCR Version hat auch das, früher optionale, Manual-Add für Diluent bereits an Board. Dieses sieht dummerweise genauso aus wie das Manual-Add für Sauerstoff, also perfekt zum Verwechseln, insbesondere wenn  auf gar keinen Fall verwechselt werden darf. Auch der Inflator-Faltenschlauch ist so lange dass er sich gerne mal in den Stage-Ventilen verhakt. Das Komfort-Harness hat den Komfort dass ständig D-Ringe an langen Gurtbändern vor dem Bauch herum „bambeln“, wie man in meiner Heimat sagt. Apropos D-Ringe, davon gibt es meiner Meinung nach viel zu viele: Ständig habe ich den falschen erwischt. Und den Schnellablass-Bömmel, der sich gerne mal in den Stages oder in den Stage-Boltsnaps verhakt habe ich auch noch an keinem Auftriebskörper vermisst. Und irgendwie gibt es auch keinen Anlass beim Tauchen den Druck in den Flaschen zu prüfen. Deshalb brauche ich auch keine langen Hochdruckschläuche, die sich nach erstmaligem Herausziehen nur noch schwer und mit Partnerhilfe wieder verstauen lassen. Ein paar Pony-Manometer für den Predive-Check tun es hier auch.

Kaum Zuhause angekommen, galt es also erst mal „weniger ist mehr“. Erstaunlich was man so alles nicht benötigt, wenn man keine CE erfüllen muss. Ein kleiner Helfer ist allerdings auch dazu gekommen: Da ich die Gegenlunge so oft wie möglich zu reinige und desinfiziere ist es immer etwas nervig wenn bei der Demontage das Wing und die Schläuche in der Gegend herum fallen. Dieses Problem lies sich mit ein paar Kabelbindern (oha, böse Kabelbinder! an der Position für mich aber ok) und ein paar speziellen Muttern, die wir bei Dive Bandits bestellten, lösen.

Inzwischen haben wir die ersten 12 Stunden in 5 Tauchgängen auf dem Gerät und bisher habe ich noch nichts vermisst. Sollte das eines Tages der Fall sein, so werde ich darüber berichten!

Und ab in den (Atter-)See!

Zuhause hatten wir erst einmal zwei Probetauchgänge gemacht um uns mehr an das Gerät zu gewöhnen. Dann ging es auch schon über das lange Wochenende an den Attersee. Neben Tauchen war noch ein Klettersteig auf dem Programm, deshalb haben wir nur zwei Tauchgänge gemacht. Der erste war der gleiche wie vor 1,5 Jahren am Wolfgangsee. Wir sind an der ersten Liegewiese ins Wasser und aus der Bucht heraus getaucht. Nach einem km haben wir dann die Steilwand erreicht und sind für 20 Minuten auf 40m und dann für 20 Minuten auf 30m Tiefe gegangen. Dadurch gab es zwar ein wenig Deko, was streng genommen nach unserer Brevetierung nicht erlaubt ist. Aber ich bin sicher, es findet sich auch ein Dekompressionsalgorithmus nach dem wir noch nicht in die Deko gekommen wären… 

Der Tauchgang war sehr schön, allerdings trotz Rebreather und Heizung recht kalt. Der Wolfgangsee war oben 11°C und nach ein paar Metern nur noch 6°C kalt. Durch das Scootern entfällt zusätzlich die Beinbewegung und die damit verbundene Muskelwärme. Dagegen war der Attersee beim nachfolgenden Tauchgang zwei Tage später regelrecht warm, mit einen 17°C an der Oberfläche. Nach 25 Minuten Dekompressionphase verließen wir gut gelaunt das Wasser. Der konstante Setpoint hatte dafür gesorgt dass die N2 Sättigung minimal war und wir uns nach dem Tauchgang top fit fühlten. Das ist meiner Meinung nach der größte Vorteil beim eCCR Tauchen: Sämtliche schnellen Gassprünge beim Gaswechsel entfallen (abgesehen natürlich vom Setpoint Wechsel). Der Körper wird keinerlei Stress ausgesetzt.

Am Samstag waren wir dann im Attersee. Eingestiegen sind wir an der Schlierenwand. Mit Kerstin ging es kurz auf 35m Tiefe. Eine Aalrutte begrüßte uns auf halber Strecke. Auch waren im Grün des ufernahen Bewuchses einige Aale, Hechte, Barsche und Krebse unterwegs. Nach 30 Minuten verabschiedeten wir dann Kerstin mit ihrer Mono 12 aus dem Wasser und machten uns bei gemütlicher Fahrt auf 15m Tiefe auf den Weg zum Föttinger. Entsprechend trafen wir nach ca. einer halben Stunde genau beim „Flaschenmann-Denkmal“ ein. Ich schlug dann vor, alle Plattformen abzuklappern, aber Tibor hatte etwas Probleme mit seinem Ohr, so dass wir nur oberhalb von 20m blieben. Es war sehr lustig so komplett blasenfrei mit den Plattformen, Glaskuppeln und Tarier-Parcours zu spielen. Leider erschreckten wir eine Gruppe Tauchanfänger, die in Seepferdchen-Haltung durch den See wühlten und nicht mit unserem Auftauchen rechneten. Dabei hatten wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht mal die Scooter in Betrieb….

Ich wäre gerne noch länger geblieben, aber die anderen beiden drängten auf eine Rückkehr. Tibor wegen der Ohrprobleme und Oliver Z.s Heizung ist ausgefallen und ihm wurde kalt. Später stellte er fest dass sein Akkutank (ein alter Pro-6) undicht war und voller Wasser stand. Aufgrund der langen Zeit im Wasser waren die Zellen nicht mehr zu retten. Also drehten wir um und machten uns auf 6-10m Tiefe auf den Rückweg. Am Einstieg angekommen stellte ich mal wieder fest, wie schonend das CCR-Tauchen ist. Normalerweise fühle ich mich nach mehr als zwei Stunden im Wasser erschöpft und will raus. Nicht so diesmal, also schickte ich die beiden hoch und habe noch eine halbe Stunde mir die obere Schierenwand angeschaut.

Als Fazit gilt zu sagen die Anschaffung des Rebreathers eine super Idee war und die Tauchgänge sehr viel entspannter gestalten lässt. Ich freue mich schon sehr auf den Normoxic Kurs um die Fähigkeiten des Gerätes auch offiziell nutzen zu können!

 

 


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